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Optimal Lüften

Falsches Lüften wird oftmals als Pauschalursache für eine Schimmelpilzbildung im Innenbereich genannt. Das ist nicht immer korrekt.
Oftmals führen mehr als nur eine Ursache zur Schimmelpilzbildung. Allerdings kann ein optimales Lüftverhalten das Schimmelpilzrisiko in vielen Fällen deutlich senken.

Einer der Hauptzwecke des Lüftens ist die Abfuhr von entstandener Feuchtigkeit. Es ist daher wichtig ein Gefühl dafür zu haben welche Mengen an Wasser wir täglich produzieren. In der nachfolgenden Tabelle ist dargestellt, wie viel Wasser durch alltägliche Verrichtungen im Haushalt entsteht.


Feuchtigkeitsquelle Abgegebene Wassermenge (ca.)
Mensch bei leichter Aktivität 35 - 60 g/h
Mensch bei mäßig schwerer Aktivität 95 - 140 g/h
Zierpflanzen 2 g/h
Kochen 600 g/d
Geschirrspüler (abgekühlt) 100 g/d
Spülen (fließend Wasser) 100 g/d
Wannenbad 800 g/d
Duschen 800 g/d
Wäsche 4,5 kg geschleudert 50 - 200 g/h
Wäsche 4,5 kg tropfnass 100 - 500 h/h

In einem Vier-Personen-Haushalt können je nach Intensität der Nutzung bis zu 12 kg Feuchtigkeit in 24 Stunden freigesetzt werden.
Die Aufnahmefähigkeit der Luft für diese Feuchtigkeit ist wiederum sehr stark abhängig von der Lufttemperatur:
Ein Kubikmeter Luft von 22°C kann ca. 19 g Wasser aufnehmen, bei 20°C ca. 17 g, bei 15°C ca. 13 g.
Winterliche Außenluft mit einer Temperatur von -10°C kann nur noch ca. 2 g Feuchtigkeit enthalten, ohne dass es zu Kondensationserscheinungen kommt.


Nachfolgend ist dargestellt, wie lange Sie unter verschiedenen Bedingungen lüften müssen, um die Luft einmal vollständig auszutauschen.

Art der Lüftung Minimale Lüftungsdauer für einen vollständigen Luftaustausch Luftwechselrate pro Stunde
Querlüftung durch Öffnen gegenüberliegender Fenster ca. 2 Minuten ca. 30
Vollständig geöffnetes Fenster ca. 4 bis 8 Minuten ca. 8 bis 15
Gekippte Flügel gegenüberliegender Fenster ca. 6 bis 15 Minuten ca. 4 bis 10
Gekippte Fensterflügel ca. 30 bis 120 Minuten ca. 0,5 bis 2
Gekippte Fensterflügel, Rollläden geschlossen ca. 1 bis 3 Stunden ca. 0,3 bis 1
Fenster und Türen geschlossen ca. 3 Stunden ca. 0 bis 0,3

Hinweis: Die Angaben in dieser Tabelle sind nur als Richtwerte zu betrachten. Lüftungsdauer und Luftwechselraten sind in hohem Maße abhängig insbesondere von Temperaturdifferenzen der Innen- und Außenluft, von Windverhältnissen und baulichen Gegebenheiten.


Indizien für eine zu hohe Luftfeuchtigkeit

• Wassertropfenbildung auf der Fensterscheibe (innen)
• Beschlagen der Fensterscheibe beim vollständigen Öffnen des Fensters
• „Drückendes“ Gefühl beim Betreten der Wohnung

Sollten ein oder mehrere dieser Kennzeichen wahrnehmbar sein, sollten sie umgehend die Fenster öffnen und somit die Feuchtigkeit nach außen hin abtragen.
Beim beschlagenen Fenster sollte das Fenster erst wieder geschlossen werden, bis die Scheibe vom Beschlag (durch den Luftwechsel, nicht durch Wischen o.ä.) befreit wurde.
Falls sich bereits Wassertropfen gebildet haben, können Sie diese mit einem Tuch wegwischen. Bitte achten Sie darauf, dass Sie das Tuch nicht im Haus trocknen, da sonst das weggewischte Wasser wieder in der Raumluft verdunstet.


Kipplüften

Vor permanenter Kipplüftung ist dringent abzuraten, da sich das Mauerwerk der Fensterlaibung durch die stätige Kälte von außen abkühlt und somit die Oberflächentemperatur deutlich sinkt. Dies hat zur Folge, dass der Taupunkt sehr schnell überschritten werden kann und somit eine erhöhte Gefahr zum Schimmelpilzwachstum besteht.
Zu empfehlen ist die Querlüftung. Sie ist am wirkungsvollsten. Da das Fenster beim Querlüften auch nur kurz geöffnet sein muss, kühlt auch nicht der gesamte Raum aus.


Hygrometer

An einem Hygrometer können Sie ablesen, ob die relative Luftfeuchtigkeit in Ihrem Raum zu hoch ist. Dieser zeigt die Raumlufttemperatur und die relative Luftfeuchtigkeit an. Demnach können Sie rechtzeitig reagieren, zum Beispiel kurz Querlüften, um die Freuchtigkeit aus der Raumluft nach Außen abzugeben und das Schimmelpilzrisiko deutlich verringern.
Die DIN 4108-2 setzt eine permanente Luftfeuchtigkeit von > 80% als Gefahr für ein Schimmelpilzwachstum voraus.
Allerdings beziehen sich diese 80% auf die kälteste Stelle des Raumes. In der Regel ist dies eine Außenwandecke. Sie sollten daher versuchen deutlich unter den 80% zu bleiben.
Ein angenehmes und relativ risikofreies Wohnklima erreichen sie mit einer Luftfeuchtigkeit von 30% - 50% bei einer Raumlufttemperatur von 19°C - 22°C.